DIE JAGDSAISON beginnt im März: Hopfenspargel - das seltenste Gemüse der Welt


Hopfenstangen Hallertau Hopfenspargel
Noch liegt der Winter auf den Hopfenstangen

Als wir vor ein paar Jahren beschlossen einen Teil unseres Lebensmittelpunktes raus aus der Stadt zu verlagern entschieden wir uns für die Hallertau, die durch ihre Hügel im Hochsommer ein wenig die Sehnsucht nach der Toskana beim Durchfahren befriedigt. Vor allem aber ist sie das wichtigste Hopfenanbaugebiet Deutschlands: Der hochgewachsene Hopfen an seinen akribisch angeordneten Stangen in Reihe und Glied, die wie gewachsene grüne Architektur wirken, ihren ganz besonderen Reiz aber im Winter haben, verzauberte uns...

„Die Hopfengärten der Hallertau sind Sommer wie Winter Skulpturen in der Natur. Sie sind ein wichtiger Teil der Kulturlandschaft und sie prägen die regionale Identität .”

Die Welt dreht sich in der Hallertau ein wenig langsamer und ein samstäglicher Spaziergang zum Wochenmarkt wirkt unglaublich entschleunigend.

Auf einem meiner kulinarischen Samstags-Jagdzügen entdeckte ich vor ein paar Jahren eine Bäuerin, die auf ihrem kleinen Verkaufsklapptisch Anfang April eine mit mir bis dato unbekannten Sprossen gefüllte Plastikschale feilbot.

15 Euro sollten 500 Gramm dieser merkwürdigen Sprossen kosten und mich beschlich kurzfristig das Gefühl vielleicht als Ortsfremder einen kleinen "Zuagroasten-Bonus" zu bezahlen. „Des is Hopfenspargel“ wurde ich noch belehrt, als ich mich alternativ etwas beschämt sicherheitshalber für zwei Kilo Kartoffeln entschied.

Nun ist es eine ehemalige Berufskrankheit, dass ich diese kulinarische Wissenslücke als herben Schlag empfand und begann zu recherchieren.


Auf den ersten Blick ist Hopfenspargel lediglich ein Abfallprodukt des Hopfenanbaus. Er ist sehr schmackhaft und hat eine unverwechselbare nussig-erdigen Note.

Hallertau Hopfenspargel Das Verstärkeramt
Hopfenspargel - der Lohn für harte Arbeit


Wie beispielsweise auch der Bärlauch, hat der Hopfenspargel eine entschlackende, reinigende Wirkung und man möchte fast meinen, die Natur hat sich irgendwann zur Aufgabe gemacht den Menschen im Frühling beim Kampf gegen die Folgen der Weihnachtsgans zu unterstützen.

Früher war Hopfenspargel ähnlich wie viele andere heutige Delikatessen eine „Arme-Leute-Essen“, da es die ausgegeizten Triebe einer Hopfenpflanze sind. Ein ähnliches Verfahren kennt man vom Anbau der Tomaten, oder auch beim Rebschnitt, der die Kultivierung der besten Reben zum Ziel hat – so auch beim Hopfen. Jede Hopfenpflanze besitzt zwischen 20 und 100 Jungtriebe. Nur vier bis sechs lassen die Hopfenbauern stehen. Aus den verbliebenen Trieben entwickeln sich die so genannten Hopfenreben.


Da es eine mühevolle Handarbeit ist und der Hopfenspargel auch nur dann den besten Geschmack hat, wenn er noch unter der Erde ist, erklärt sich auch der Preis, den man für das „seltenste Gemüse der Welt“ mittlerweile zahlen muss. Für die Ernte wird behutsam mit der Hand der jeweilige Trieb vom Wurzelstock entfernt, die Wurzeltriebe dann einzeln am Rhizom gebrochen und anschließend der Wurzelstock wieder mit Erde zugedeckt. Beginn der Saison ist Mitte bis Ende März. Dann können die Hopfensprossen für etwa vier Wochen geerntet werden. Um ein Kilogramm Hopfensprossen zu ernten, benötigt man ungefähr eine Stunde.


Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird im großen Stil Hopfen in der Hallertau angebaut und weltweit exportiert. Bis ins ferne Asien wird der begehrte Hallertauer Hopfen verschifft, schließlich sagt man ihm mit die weltbeste Qualität nach. Der Hopfen verschaffte einer Vielzahl von Landwirten gerade in Nachkriegsjahren des 20. Jahrhunderts einen erheblichen Wohlstand und der Region damit wirtschaftlichen Aufschwung. Des Bayerns liebstes Getränk ist das Bier, das nach strengstem Reinheitsgebot gebraut wird und neben Wasser und Malz den Hopfen (Hopfendolden) als wichtigste Zutat hat.


Die Region selbst hat in den letzten Jahren das Potential erkannt und mehrere Gastronomen haben Hopfenspargel für kurze Zeit auf der Karte.

Bis zu hundert Euro kostet das Kilo und verwöhnte Gourmetgaumen haben längst begonnen, in den lediglich ca. zwei bis drei Wochen seines Wachstums zwischen Mitte März und April danach auf die Pirsch zu gehen. Wann genau die Periode ist, ist wie beim normalen Spargel stark temperaturabhängig. Einzelne Betriebe verschicken die Sprossen vakuumiert in ganze Nordeuropa, wobei man schnell sein muss, da er nur rund 48 Stunden haltbar ist. Einer der regionalen Anbieter ist: www.hopfensprossen.de


Spitzengastronomen kreieren selbst im hohen Norden neue Gerichte und mittlerweile wird der Hopfenspargel sogar in Gewächshäusern gezogen. Sein wahres Aroma verdankt er aber seiner Aufzucht sozusagen in der freien Wildbahn auf den Hallertauer Böden mit ihren spezifischen erdigen Böden.

Ich selbst werde Mitte März wieder auf die Jagd nach dem seltensten Gemüse der Welt gehen und nach dem kleinen Klapptisch mit der netten Bäuerin auf dem Pfaffenhofener Wochenmarkt Ausschau halten, in der Hoffnung in diesem Jahr eine Schale zu ergattern.


Wer sich für Hopfen und Hopfenspargel interessiert, für den lohnt sich auch ein Ausflug ins Hopfenmuseum www.hopfenmuseum.de .

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